Schreib-Tipp #10: Episch, pathetisch, nervtötend

Vielleicht hast du literarisch Großes vor. Eine weltbewegende Geschichte geht dir durch den Kopf, ein Höhepunkt mit Herzinfarkt-Risiko, eine Hauptfigur, die mehr Leid erfährt als Musikliebhaber in einem Pop-Konzert. Toll! Pass nur auf: Wenn du in der Überzeugung schreibst, deine Story werde den Leser zutiefst erschüttern und bewegen, erreicht dein Text wahrscheinlich das genaue Gegenteil: Langeweile. „Schreib-Tipp #10: Episch, pathetisch, nervtötend“ weiterlesen

Schreib-Tipp #9: Actio und Reactio

Wir sind uns hoffentlich einig, dass der Mensch mehr ist als die Summe seiner Taten. Dennoch sind sie in literarischen Texten ein tolles Mittel, um Menschen zu definieren – viel besser als Adjektive („Manchmal konnte er ein wenig zögerlich sein.“…). Wichtig ist es nur, Taten schlüssig in den Text einzugliedern. Eine Aktion allein ist da manchmal zu wenig.

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Schreib-Tipp #8: Nichts ist unmöglich… aber alles will erklärt sein.

Abstruse Geschichten und Charaktere begegnen uns nicht nur in Fantasy-Romanen. Nehmen wir doch den Hundertjährigen, der aus dem Fenster springt und mit seinen alten Knochen noch eine aberwitzige Weltreise überlebt. Oder den hypergelehrten Doktor, der Erdgeister beschwört und Teufelspakte schließt, weil ihm irgendwie langweilig ist. Das Schöne an Literatur ist eben, dass die Frage „Was wäre, wenn?“ keine dummen Antworten kennt. Nur zu kurz geratene. „Schreib-Tipp #8: Nichts ist unmöglich… aber alles will erklärt sein.“ weiterlesen

Schreib-Tipp #7: Schreib‘ durch die Kamera!

Atmosphäre erzeugt man durch Sinneswahrnehmungen. Ist ja irgendwo logisch. Weil Buchseiten weder riechen noch klingen noch Bilder zeigen (außer natürlich in Bilderbüchern), müssen die Eindrücke im Kopf des Lesers entstehen. Vor allem im Visuellen kann es schwierig sein, harmonische Bilder zu erzeugen, weil viele Sätze und Handlungen sich zu widersprechen drohen. Ein Beispiel:

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Schreib-Tipp #6: Von trockenen Sätzen und Wort-Ballast

„Es war eine schöne Nacht. Viele glitzernde Sterne standen am schwarzen Himmel. Warmer Wind blies sanft in das rauhe, gezeichnete Gesicht des alten Mannes, als er aufblickte. Sein hölzernes Boot wippte leicht auf und ab, wann immer es von einer der kleinen Wellen erfasst wurde.“

Mal ehrlich: So bekommt jeder einen Roman voll. Nur wird der nach wenigen Seiten stöhnend weggelegt. Irgendwie erfüllen die vielen Wörter also nicht ihren Zweck – eigentlich sollten davon doch die schwachen Nomen und abstrakten Verben interessanter werden? Viele Menschen schmücken ihre Texte intuitiv auf diese Weise. Die Adjektive, Adverben und sonstigen Ballast-Wörter sind „Schreib-Tipp #6: Von trockenen Sätzen und Wort-Ballast“ weiterlesen

Schreib-Tipp #5: Die Kunst, (nicht zu früh) loszulassen

Nachdem deine kritische Seite beim Anfertigen des ersten Entwurfes mal Pause machen durfte (oder dazu gezwungen wurde), ist sie bei der Überarbeitung wieder voll gefragt. Du verbesserst dich unermüdlich durch das Buch, verwirfst Schlechtes, liest erfreut auch Gutes und bist irgendwann durch. Leider kann das Buch jetzt immer noch nicht zum Druck, denn: es geht noch besser.

Wie viele Fassungen du schreiben solltest, ist absolut individuell. Eine ist immer zu wenig, zwanzig können schon zu viel sein. Auch, ob du den Text jedes Mal neu schreiben willst oder „Schreib-Tipp #5: Die Kunst, (nicht zu früh) loszulassen“ weiterlesen

Schreib-Tipp #4: Überarbeitung will überlegt sein

Wenn dein erster Entwurf steht, lass ihn erst mal liegen, um Abstand zu gewinnen. Beim Überarbeiten sollte dir klar sein, dass nicht jede Änderung einen Text besser macht. Darum ist es wichtig, dass du immer den Überblick behältst.

Es gibt verschiedene Ebenen des Lesens: Du kannst die Rechtschreibung und Aussagekraft einzelner Worte prüfen, aber auch die Kunstfertigkeit eines Satzes. Du kannst dich fragen, welche (Re-)aktionen deinen Charakter besonders auszeichnen und welche einfach überflüssig sind. Vielleicht zweifelst du auch am Spannungsbogen der Handlung und möchtest einzelne Szenen oder Kapitel neu schreiben.

Schreib-Tipp #3: Beim ersten Entwurf nicht zurückschauen!

Es kann schon mal vorkommen, dass man in einen richtigen Schreibwahn gerät und Zeile um Zeile zu Papier bringt. Aber meistens sitzt man da und rätselt, wie es jetzt bitteschön weitergehen soll. Die Versuchung ist dann immer groß, sich das bereits Geschriebene noch mal anzusehen, hier und da ein Wort auszutauschen, einen Satz durchzustreichen oder i-Pünktchen dicker zu malen. Nur, damit man irgendwie am Text arbeitet. Dabei merkt man dann immer mehr, wie schlecht er eigentlich ist, und verliert vollkommen die Lust, weiterzuschreiben.

So weit solltest du es nicht kommen lassen – lieber mal ein paar Minuten „Schreib-Tipp #3: Beim ersten Entwurf nicht zurückschauen!“ weiterlesen

Schreib-Tipp #2: Es gibt keine Schreibblockaden

Die leere weiße Seite – oder das leere weiße Textdokument – sind für viele eine ziemliche Hürde. Sie sitzen mit einer zündenden Idee davor und bringen keinen Satz zustande, weil unendlich viele Gedanken gleichzeitig um die richtigen Worte ringen. Oder können kein Wort schreiben, weil jeder Einfall sofort kritisch auseinandergenommen und verworfen wird. Da hilft nur eines: „Schreib-Tipp #2: Es gibt keine Schreibblockaden“ weiterlesen

Schreib-Tipp #1: Die besten Ideen kommen dann, wenn man sie vergisst

Ein Spaziergang im Park, ein paar Blätter, deren Tänzeln dein Geist nachhängt – und plötzlich ein klarer Gedanke: Nach wenigen grübelnden Metern verweht. Sätze, die aus einem verblassenden Morgentraum in dein Bewusstsein fahren: Verflogen, sobald du dir die Augen reibst. Große Erkenntnisse, die sich im beiläufigen Sprechen vor dir entfalten: Im Gedächtnis mit dem übrigen Smalltalk verschmolzen. Ich will gar nicht wissen, wie viele grandiose Einfälle „Schreib-Tipp #1: Die besten Ideen kommen dann, wenn man sie vergisst“ weiterlesen