Reduktion

Menschen taumeln abwärts durch Vakuum und zerplatzen
Hilflos, den Blick an ein Oben geschweißt, das mit ihnen fällt
Bis ihnen die Augen aus den Höhlen quellen
Sehen sie, und so lange sie fallen
Wähnen sie sich noch über der Welt

Sie strampeln und greifen nach peitschenden Fäden
Die Hände schon blutig von dem, was das Nichts erspinnt
Und von den Gesichtern, in die sie pausenlos schlagen
Und spucken und treten und alles, was Raum gewinnt

Den sie mit geschwollenen Zähnen
Zerfleddern, weil alles, was reißt
Sie begleitet – und sei es nur
Der Schmerz ihrer mahlenden Kiefer
Das Maschinenfeuer ihrer Sinne
Die Elektrokution ihres Verstandes
Der Terror, irre blitzende Gedanken

treiben sich in Schädel
wenn sie wüssten woher
sie würden es verleugnen
wollen es ausmerzen
und stürzen nur darauf zu
haltlos, nichts als einen hoffenden Blick
der mit ihnen fällt.

Lobotomie

Ein leuchtend schwarzer Spalt
Wenige Nanometer breit
Scharf und pulsierend
Vor meinen Augen
Vor meiner Haustür
Vor den Gesichtern
Die ich sehen will
Fährt er auf mich zu
Zwischen meine Augen
Zwischen meine Gedanken
Zwischen das, was mich verbindet
Mein Gleichgewicht
Eine leuchtend schwarze Kompression
Wirft sich auf mich
Und quetscht mich zur Hälfte aus
Drückt mich in die hinterste schwarze Ecke
Die das alles nicht fassen kann.

Eine Reise

Der Wind hat meine Schritte von den Dünen geweht
und die Dünen zerfegt, auf denen meine Schritte waren.
Er zerrt an den staubdurchsetzten Stoffetzen, die mich bedecken
und löst mich heraus, bis sie entleert in den Sand sacken.
Meine Gedanken liegen in den Wehungen verstreut
oder schmirgeln mir das Gesicht ab, bis ich brenne
Meine Hoffnung ist in Schweißperlen zerflossen
und in Höhen zerdampft, die ihr immerhin gerecht werden können.

Ich kann nicht vergessen, wohin ich will, aber auch nicht wissen, wohin ich gehe
stolpere falle krieche
Ich kann nicht vergessen, woher ich komme, aber will nicht wissen, was ich trage
wälze leugne vergötze

Ich drücke deine Augen in den Sand, der mich beerdigt
und sehe in der Schwärze deinen Blick verloren schimmern.
Ich atme dein Gesicht ein, kratzend staubig heiß und formlos
bis Erinnerungen meine tote Lunge überfüllen.
Meine Gedanken platzen in den Kapillaren
und sind an ihrem Ende, sind im heißen Sand zerronnen.
Meine Hoffnung ist, dass ich bald nichts mehr spüre
von gnadenlosem Fieber, irren Kreisen und der treibend fernen Sonne.

Dissonanz

Wenn Wut und Frust ausbrechen und sich selbst konservieren wie eine ätzende Wahrheit, der du nichts mehr entgegenzusetzen hast – was hält dich? Wie kannst du entschuldigend auf dich selbst zeigen, während du deinen Kopf gegen die Wand hämmerst, wie schuldlos dastehen, während deine Gedanken dich an glühenden Ketten über den Boden schleifen? Welcher unsichtbare Faden hält dich noch aufrecht?

Es kann sich bewegen – es atmet und bewegt sich wie alle anderen. Man sieht, dass es von Luft durchflossen wird, frischer Luft und Blut, wie es diese ständige Bewegung in sich erlebt und sie nach außen trägt wie alle anderen. Es beherrscht sich, und wenn es sich umsieht, beherrscht es die Welt. Bis sich unsere Blicke treffen.

Deine Gehirnmasse kocht und brodelt und lässt sich nicht einfrieren wie alles andere, gleich einem ungeschickten Fettbrand breitet sich unaufhaltbar die Hoffnungslosigkeit aus und verzehrt alles, was du ihr entgegenschleuderst. Warum gibst du dich selbst nicht hin? Was bist du, dass alles brennen soll außer dir?

Es kann sprechen – Gedanken finden den Weg in Worte finden den Weg in die Welt und ermöglichen ihm die Teilhabe am kollektiven Bewusstsein. Es vertraut mir seine Gedanken an und ich tue mein Bestes, sie nicht zu verletzen. Doch jedes meiner Worte ist ein Stich in seine zarten Pupillen.

Dein Geist tropft auf den Stein und verdampft mit einem Fauchen; die Erde brennt unter deinen Füßen und du trippelst durch das Dasein. Was du hörst und siehst, wird von der Unmöglichkeit vergällt, bleibt dunkel, unerreichbar und damit wertlos. Nichts ist gesagt, nichts geschrieben, nur alles untragbare Gewissheit. Warum versuchst du immer noch, es loszuwerden?

Es kann lächeln – seine Gesichtsmuskeln heben sich paarweise und lassen es Dankbarkeit bekunden, Stärke im Angesicht der Welt und Sanftmut. Ich kann meinen Blick nicht von ihm lösen, weil ich befürchte, dass sich all das im nächsten Moment ins Gegenteil verkehrt.

Du saugst gierig das Leben der anderen auf, um es irgendwo in deinem Dunkel zu verlieren. Du willst, dass Fremde dich berühren, weil deine eigenen Hände dich nur verbrennen. Möglichkeiten drängen sich dir von allen Seiten auf, bespringen dich und ziehen dich aus den Wolken, während du dich genussvoll zusammensacken lässt und die Augen schließt. Ist dir der Genuss nicht längst vergällt?

Es kann weinen – das Leid und das Schlechte in der Welt erkennen und betrauern. Seine Tränen geben mir Zuversicht, weil es Dinge beweint, die ein Mensch ändern kann. Ich fange sie auf, wenn ich es umarme, und vergesse für einen Moment das fürchterlich Unerreichbare, das in meinen Albträumen von nichts als trockenem, starren Schluchzen durchsetzt ist.

Für einen Moment aufwallender Verzweiflung verwirfst du dein ganzes Leben, Vergangenheit wie Zukunft, und willst nur die Lähmung der Angst spüren. Was reizt dich noch an diesem Augenblick, wo du alle anderen schon aufgegeben hast?

Es kann berühren – Seine Hände sind nichts als Wertschätzung, wenn sie uns verbinden, alle Form ist nur Diener unseres Glücks. Wenn seine Hände schon so von Wärme glühen, muss sein Kopf regelrecht brennen, ein heißes, schmerzhaftes Chaos. Ich kann und will es mir nicht ausmalen.

Menschen sind schwammig und leicht, sie entschlüpfen dir und tanzen in der Ferne wie Trugbilder deiner Sehnsucht. Du bist ein irrer Durstiger, wenn du ihnen durch den Sand hinterherstapfst, stur und träge. Wann lässt du dich endlich zusammenbrechen? Wer würde jemanden wie dich dort am Horizont erwarten?

Es kann lieben – es empfindet tiefer als alle anderen, die mich ansehen. Es weiß, wie man einen Menschen behutsam in den Armen hält und ihm gibt, wonach ihm verlangt. Es lässt sich hinreißen, liebevoll beäugen, mit warmen Worten umfangen, amüsieren, trösten und anfassen und nur alles andere macht mir Angst, weil es ihn verletzen könnte, zerfressen und zerbrechen könnte und sich einfach nicht greifen lässt, sich mir entzieht, ohne überhaupt wissen zu können, dass ich es aufschlitzen und von innen heraus verbrennen würde wenn ich es nur zwischen die Finger bekäme weil dieses Etwas es von innen heraus verzehrt und lähmt und knüppelt und ich das alles mit ansehen muss ohne es sehen zu können weil es sich versteckt und zurückzieht obwohl ich nichts, absolut nichts getan habe weder ich noch all die anderen die es beschuldigt die Welt die Menschen sind nicht fähig, solches Leid zu bewirken, nicht, solange sie nur das Beste wollen, und darum bin ich überzeugt, dass es nichts Menschliches ist, was in ihm wütet, dass da etwas unsagbar Dunkles seine Existenz aufgerissen hat und es vernichtet, blutig und schwarz. Was kann ich dazu noch sagen? Was tun? Es kann so nicht leben.

Du willst Nichts in seiner absoluten Vollendung, alles Wollen ist schon Enttäuschung, sobald es zum Gedanken reift. Dein Blick reicht nicht über dich selbst hinaus; die Welt siehst du nur im Spiegel deines eigenen verzerrten Bewusstseins. Du kannst sie nicht verstehen, und vor allem findest du keinen Schuldigen bis auf dich. Alle Zweifel, die du zu äußern wagst, werden blutgetränkt in zehnfacher Schuld zurückgeworfen, bevor sie auch nur nach außen dringen können. Du bist gefangen. Dumpfe Aufbrandungen von Undefinierbarkeit übersteigen den kümmerlichen Käfig deiner Angst und reißen dich wie ein Spielzeugboot durch ihre Wellen, bis Salzwasser deine Lungen überfüllt – das ist die Welt. Du willst dich schützen und hebst die Hände vor dein geschwollenes Gesicht, aber sie schlägt deine Deckung beiseite und dringt in dich ein. Sie kontrolliert deine Gedanken und erstickt deinen Sinn für Gerechtigkeit, bis deine Wut dir falsch erscheint, weil es doch wohl müßig ist, der Natur ihren natürlichen Lauf vorzuwerfen. Aber sie nutzt dich aus und zehrt dich auf, und du weißt es. Noch weißt du es, und kannst dich wehren. Dein Hass gedeiht an einem sicheren Ort. Niemand kann ihn dir nehmen. Befeure ihn, wirf ihm weiterhin die Fetzen deines Lebens vor die Füße, damit er sie verschlingt und anschwillt, deine falschen Hirnwindungen zerfrisst und deine Leere mit Urgewalt füllt. Verneine deine Existenz, bespucke sie und schlitze sie auf, damit du sie von innen heraus verbrennen kannst. Entscheide dich, bevor die Welt dir auch noch diese letzte Freiheit nimmt. Denn sie kann und sie wird dich berauben, bis du dich deiner Selbst beraubst.

Es konnte nicht leben – ich habe es nicht leben lassen. Meine fixe Idee, es erst zu einem Menschen machen zu müssen, mein unbeirrbares Verlangen hat es das Leben gekostet. Es ahnte, ich würde es aufreißen und vernichten, wenn es das nicht selbst täte. Sein Innerstes verbrennen und eine verschmorte Hülle umarmen, sein Innerstes ausmerzen und mit einer gelähmten Puppe tanzen. Darin war es mir voraus. Jetzt bin ich selbst eine leere Erinnerung, die sich bewegt und spricht – blass, aber lebendig.