Stadtverkehr

Städte sprechen Bände voller Menschen
Menschen voller Wahrnehmung
Wahrnehmung voller Städte
Die sie nicht lesen.

Sekunden quillen über vor Geschehen
Rennen überglücklich ohne Halt
In ihre Glasdrehtür Reflektionen
Die sich zu spät öffnen.

Gesichter quillen über, voll von Spannung
Spiegeln emsig Neuerungen wider
Hilflos undurchdringlich Intentionen
Die sich zu spät äußern.

Menschen sprechen Bände voll von Leben
Leben voll von Sprechen
Sprechen voll von Menschen
Die sie beiseite legen.

Reduktion

Menschen taumeln abwärts durch Vakuum und zerplatzen
Hilflos, den Blick an ein Oben geschweißt, das mit ihnen fällt
Bis ihnen die Augen aus den Höhlen quellen
Sehen sie, und so lange sie fallen
Wähnen sie sich noch über der Welt

Sie strampeln und greifen nach peitschenden Fäden
Die Hände schon blutig von dem, was das Nichts erspinnt
Und von den Gesichtern, in die sie pausenlos schlagen
Und spucken und treten und alles, was Raum gewinnt

Den sie mit geschwollenen Zähnen
Zerfleddern, weil alles, was reißt
Sie begleitet – und sei es nur
Der Schmerz ihrer mahlenden Kiefer
Das Maschinenfeuer ihrer Sinne
Die Elektrokution ihres Verstandes
Der Terror, irre blitzende Gedanken

treiben sich in Schädel
wenn sie wüssten woher
sie würden es verleugnen
wollen es ausmerzen
und stürzen nur darauf zu
haltlos, nichts als einen hoffenden Blick
der mit ihnen fällt.

Lobotomie

Ein leuchtend schwarzer Spalt
Wenige Nanometer breit
Scharf und pulsierend
Vor meinen Augen
Vor meiner Haustür
Vor den Gesichtern
Die ich sehen will
Fährt er auf mich zu
Zwischen meine Augen
Zwischen meine Gedanken
Zwischen das, was mich verbindet
Mein Gleichgewicht
Eine leuchtend schwarze Kompression
Wirft sich auf mich
Und quetscht mich zur Hälfte aus
Drückt mich in die hinterste schwarze Ecke
Die das alles nicht fassen kann.

Eine Reise

Der Wind hat meine Schritte von den Dünen geweht
und die Dünen zerfegt, auf denen meine Schritte waren.
Er zerrt an den staubdurchsetzten Stoffetzen, die mich bedecken
und löst mich heraus, bis sie entleert in den Sand sacken.
Meine Gedanken liegen in den Wehungen verstreut
oder schmirgeln mir das Gesicht ab, bis ich brenne
Meine Hoffnung ist in Schweißperlen zerflossen
und in Höhen zerdampft, die ihr immerhin gerecht werden können.

Ich kann nicht vergessen, wohin ich will, aber auch nicht wissen, wohin ich gehe
stolpere falle krieche
Ich kann nicht vergessen, woher ich komme, aber will nicht wissen, was ich trage
wälze leugne vergötze

Ich drücke deine Augen in den Sand, der mich beerdigt
und sehe in der Schwärze deinen Blick verloren schimmern.
Ich atme dein Gesicht ein, kratzend staubig heiß und formlos
bis Erinnerungen meine tote Lunge überfüllen.
Meine Gedanken platzen in den Kapillaren
und sind an ihrem Ende, sind im heißen Sand zerronnen.
Meine Hoffnung ist, dass ich bald nichts mehr spüre
von gnadenlosem Fieber, irren Kreisen und der treibend fernen Sonne.