Höhlen in Postojna

Das ist kein Leben
Keine Zerklüftung, kein Zerfressen – nur unscheinbares Erwachsen
Alle Zeit zersprengt in Tropfen
Und erstarrt aus dem Nichts in Stein
Kein Verfall und keine Andeutung von Ende
Nur Jahrtausende geduldiger Verwindung
Nach Plänen, die alles andere schreibt.

Das hat keine Bedeutung
Keine Gestalt, keinen Zweck – nur filigrane Kanten
Und Umschlingungen und Rundungen und Wellen und Verfärbungen
Und Formen aus Gedanken, die sich plötzlich spiegeln wollen
Die allein gar keine Bilder waren, Worte übersteigen
Aber zwischen all den Zacken, Halmen, Säulen widerhallend
Ihr Wesen neu entdecken und die Stille überfüllen.

Das ist kein Leben
Kein Zielstreben, kein Absterben – nur Bewegung
Unsichtbar gemächlich und unendlich kompliziert
Wäre es Leben, wären wir nichts dagegen
Ein verfehlter Luftzug durch unerschütterliches Wachstum
Der sich zerklüftet und zerfressen zwischen Traumbildern verliert
Bewusstsein nur entzündete Haut auf den Steingebilden.

Das hat keine Bedeutung
Keinen Sinn als den, den wir darin sehen
Es zu zerfahren und zu sprengen
Den Raum in Schienen zu hämmern, pervers bestrahlt
Die Zeit zu zertakten, als müsste sie mit uns enden
Das Erleben auf einen Punkt zusammenzupressen
Der dreckig überlegen zwischen zwei Tropfen zerspringt.

Frische Worte für alte Geschichten

An alle, die meine Kurzgeschichten „Grauschleier“ und „Arc de Triomphe“ so toll fanden, dass sie sich die guten Stücke ausgedruckt, eingerahmt und übers Bett gehängt haben – das müsst ihr jetzt leider noch einmal machen. Oder ihr behaltet die Originale und verkauft sie in ein paar Jahren gegen hohe Geldbeträge.

Jedenfalls – ich habe die beiden Texte überarbeitet, insbesondere gekürzt. Wen das interessiert, der sei herzlich eingeladen, sie sich noch einmal durchzulesen.

(Ich kann nicht von einem Sommerloch sprechen, denn dazu veröffentliche ich den Rest des Jahres auch zu wenig)

Schöne Ferien!

Neues Fragment: „Alles neu lernen“

In letzter Zeit landen hier kaum neue Texte, obwohl ich gar nicht so wenig schreibe. Deswegen werde ich versuchen, die kürzeren Texte, die ich in meinem Notizbuch festhalte, in irgendeiner Form hier zu veröffentlichen, sofern sie dafür geeignet sind. Den Anfang bildet dieses schöne Fragment 🙂

Der schmächtige Mann mit dem Dosenbier

Eine kleine Weihnachtsgeschichte frei nach Hans Christian Andersen.

Es war entsetzlich kalt. Grauer Schneematsch lag auf den Straßen, und Kunstlicht löste bereits die Sonne ab, die irgendwo hinter der Wolkendecke unterging. Es war der letzte Abend im Jahre, Silvesterabend. In dieser taghell ausgeleuchteten Kälte ging auf dem Bürgersteig ein schmächtiger armer Mann mit bloßem Kopfe und löchrigen Socken an den Füßen. Er hatte wohl Schuhe angehabt, als er aus seinem Schlafsack gekrochen war, aber was konnte das helfen! Es waren sehr große Schuhe. Die hatte letzten Frühling jemand am Altkleidercontainer abgestellt, und er hatte sie mit den Schnürsenkeln über seinen Knöcheln festbinden müssen, so groß waren sie. Diese Schuhe hatte der Mann verloren, als er über die Straße eilte, während ein Sportwagen mit viel Getöse vorüberjagte. Die Schnürsenkel hatten sich gelöst. Der eine Schuh war nicht wieder aufzufinden, und mit dem anderen machte sich ein streunender Hund aus dem Staube, welcher daran wohl etwas Essbares gerochen hatte.

„Der schmächtige Mann mit dem Dosenbier“ weiterlesen

Neues Fragment: „Erleuchtung“

Erleuchtung

Ein Nachteil (der sich auch als Vorteil auslegen lässt) an solchen assoziationsreichen, schwammigen Titeln ist, dass man als Leser immer etwas anderes bekommt, als man sich selbst instinktiv gedacht hat. Ich wage zu behaupten, dass das Bild, um welches sich dieses Fragment dreht, absolut niemandem als Erstes zum Thema „Erleuchtung“ in den Sinn gekommen ist. Auch mir nicht, da ich selbst eine andere Vorstellung von Erleuchtung habe. Der eigentliche Ursprung des Bildes ist also nicht etwa meine unsichere Haltung gegenüber dem Überweltlichen, sondern etwas viel Trivialeres: Ich bin in Frankreich auf einem schwarzen Stein in der Sonne gelegen. Wenn ich das aber so hinschreibe, bin ich allerdings ganz froh, dass ich dem Fragment etwas mehr Tiefe geben konnte 🙂

Tipps für’s Schreiben: Ultimate Collection

Hier gibt’s meine Tipps übers Schreiben in der praktischen Übersicht. Wie du siehst, folgen sie einer strengen Chronologie: Von den ersten Ideen übers leere Blatt bis zum vollen Blatt, dann zu den weiteren vollen (und zerrissenen) Blättern und dann… na ja. Ich hoffe, du hast etwas davon und kannst vor allem die Motivation mitnehmen, regelmäßig zu schreiben! Denn – gib’s zu – das solltest du eigentlich gerade tun, anstatt nach Tipps zu surfen 😉